Treffen

Die Programme unserer Treffen

Alle nachfolgenden Vorträge fanden/finden an Sonntagen, früher und gelegentlich auch an Samstagen statt. Der Nachmittag  war/ist stets für “show & tell“ reserviert.

Zusammenfassung der Vorträge finden Sie am Ende der Seite.

18. Juni 2017

  • Wolfgang Ritter, Wuppertal
    „Gewebte Handtücher aus Anatolien“
  • Stefan Schulz, Nienburg
    „C14 – Datierungen bei Textilien“
  • Luc De Leenheer, Boechout, Belgien
    „Wahlfreiheit mit Mafrash“ welche spricht mich besonders an?

12. März 2017

  • Simone Jansen, Dresden
    „Rya – Teppiche aus Skandinavien“
  • Jörg Affentranger, Muttenz, Schweiz
    „Flachgewebe der Belutschen“

6. November 2016

  • Wolfgang Ritter, Wuppertal
    „Türkische Geldtäschchen – Parakesesi“
  • Horst-Reinhard Nitz, Hamburg und Jürgen Baumgarten, Berlin
    „Amthropomorphe Figuren aus dem Neolithium in neuzeitlichen Flachgeweben“

12. Juni 2016

  • Martin Posth, Berlin
    „Gewebtes Paradies Anatolien - Ein Streifzug durch die anatolische Knüpfkunst des 18. Uind 19. Jahrhunderts“
  • Burgit Voß, Berlin
    „Schachbrett-Teppiche und andere zweifarbige Khaden (Sitz- und Schlafteppiche) aus Tibet“

13. März 2016

  • Karl-Michael Plötze, Barsinghausen „Ruksal – ein dagestanisches Kelim-Motiv und seine Entwicklung“
  • Michael Walkowiak, Leverkusen „Textilien aus Indochina“
  • Stefan Wachsmuth, Göttingen „Raffia-Plüsche der Bakuba/Shoowa“ zum Thema „Wahlfreiheit“ Die Teilnehmer bezeichnen ihre bevorzugtesten 3 Stücke mit Begründung

 

Vorträge

Gehalten am 8. November 2015

Horst Nitz, Hamburg und Jürgen Baumgarten, Berlin

Frühneolithische Symbole (PPNA) in ost-anatolischen Kelims – Duplizität oder Tradition?

Zusammenfassung: Im 10. Jahrtausend BC errichteten frühneolithische Jäger und Sammler-Gemeinschaften monumentale steinerne Ringanlagen auf dem Göbekli Tepe nahe Urfa in der Türkei. Anthropomorphisierende und tiergestaltige Ausarbeitungen sowie H-förmige abstrakte Zeichen an T-köpfigen Steinpfeilern lassen vermuten, dass hier der n spirituelle Kosmos einer frühen Kultur am Übergang zur sesshaften Lebensform Ausdruck gefunden hat. Die konzertierte Anstrengung bei der Errichtung der Anlagen wirkte zurück auf die Erbauer und veränderte ihr soziales Miteinander auf Dauer. Am Ende der sakralen Nutzungsperiode zweitausend Jahre später war der Übergang zur sesshaften Lebensform vollzogen und Agrarwirtschaft und Viehzucht waren zur Existenzgrundlage des Lebens in dörflichen Gemeinschaften geworden. Religion und Kunst waren in diesen Prozess aufs Engste eingebunden. Danach wurden die Anlagen auf dem Göbekli Tepe verfüllt und verlassen. Die großen T-förmigen Pfeilersymbole traten nirgendwo anders mehr in Erscheinung bzw sie gerieten nicht noch einmal in den Fokus der Archäologie. Waren sie damit ganz aus der Welt?

Wir, die autoren des Vortrages meinen: nein. Unserem Arbeitsmodell nach haben sie als Symbole an anderes Substratformen gebunden bzw früh miniaturisiert und verinnerlicht, die Jahrtausende überdauert und treten spätestens in der Spätantike mit einer neuen sakralen Aussage hervor, in deren Mittelpunkt die Hypostatische Union als Sinnbild der zwei Naturen Christi zu stehen scheint. Die ursprüngliche H-Form, die Verbindung aus zwei einander gegenüberstehenden T-Symbolen, könnte als Symbol eines im Frühneolithikum erwachsenen Dualismus verstanden werden; die später hinzutretende, zu einer Art Kurzszepter mit rhombischen Umriss erweiterte H-Form wurzelt tier im dualistischen Weltverständnis der Region. Sie hat ihre Vorgängerin nicht verdrängt, sondern in der Transformation bewahrt und findet mit ihr den gemeinsamen Ort im sakralen Raum des Medallions vor allem ostanatolischer Kelims des 18. Und 19. Jahrhunderts.

Dementsprechend möchten wir Kelims und andere Flachgewebe nicht in erster Linie als Kunst denken, ihre Ornamente nicht zuerst als Dekor, sondern ihre Funktion und ihren Symbolgehalt in dern Vordergrund stellen.

Für uns sind sie das visuelle Gedächtnis nahöstlicher Kulturen und deren Ideengeschichte.